Diese Ausstellung wurde gezeigt

im
DGB Haus München

vom 4. März bis
18. April 2019
 

und

im Rahmen der Ausstellung

7
. November 1918
»Die Freiheit
erhebt ihr Haupt«

in der
Rathausgalerie
Kunsthalle|
München

vom 30. Oktober
bis
24. November 1918


»Münchner Maler der
Revolution 1918«







Emanuel Bachrach-Barée |
Leonhard Eckertsperger|
Heinrich Ehmsen |

Paul Klee |
Heinrich Kley |
 Carl August Jäger |
 Hans Richter |
Karl Roth |
 Fritz Schaefler |
 Georg Gerhard Schrimpf |
Albin Tippmann |
 Aloys Wach|
 
1914 bis 1918
Erster Weltkrieg!

Am 1. August 1914 erklärt Deutschland Rußland den Krieg.
Am 11. November 1918 wird der
Waffenstillstand von Compiègne unterzeichnet.
 


Der verbrecherische Krieg bringt Tod, Elend und Hunger! Zu Hause und an den Fronten!       Im Ersten Weltkrieg gibt es je nach Datenquelle 
      zwischen ...
      ... 9,4 u. 9,7 Mio. tote Soldaten (insgesamt),
      ... 6,9 u. 8,9 Mio. tote Zivilisten (insgesamt),
      ... 16,1 u. 21,2 Mio. verletzte/traumat. Sold. (insg.),

    

      davon 2,037 Mio. deut. Soldaten
      davon 0,760 Mio. deut. Zivilisten
      davon zw. 2,7 u. 4,2 v/t d. Sold.


Bild oben: Heinrich Ehmsen
(Eremitage  St. Petersburg)
Bild oben: Heinrich Ehmsen
(Eremitage  St. Petersburg)
Die Friedensstreiks
im Januar 1918
sind Vorboten der
Revolution!
In München, Fürth, Nürnberg, Augsburg, Schweinfurt und anderen Städten Bayerns gehen etwa 100.000 Arbeiter/innen für das Ende des Krieges auf die Straße!
  
 
Kurt Eisner,
Sarah Sonja Lerch,
und viele andere Streikorganisator/innen dieser Januarstreiks 1918 werden inhaftiert.

Sarah Sonja Lerch
wird am 29. März 1918 erhängt in der Gefängniszelle aufgefunden.
Ihr Tod wird nie gerichtlich untersucht.
 
      Skizze der Gefängniszelle
      Nummer 36
      Sarah Sonja Lerchs
      in
      München Stadlheim.

      2 mal 4 Meter
      hat die Inhaftierte
      in ihrer Zelle.



      
 
 













Bild rechts:

Albin Tippmann
Rückkehrende von der Front
Münchner Hauptbahnhof
1918 
(Privatbesitz)
        Bild oben:
        Kaiser Wilhelm als Befehlshaber
        Hans Richter
        (Nachlass Hans Richter
        Kunsthaus Zürich)
Die friedliche und kreative Revolution in Bayern von 1918
     
Am 7.11.1918 wird aus der Friedenskundgebung auf der Wiesn eine friedliche Revolution.




Bild unten:
Paul Klee (Privatbesitz)

  Eingeführt wird in den
104 Tagen
der Regierungszeit
Kurt Eisners trotz des feindseligen Umfeldes und vieler Hindernisse:

:: die Trennung von Kirche
    und Staat 
:: Wegfall von 
    Standesprivilegien
:: Stärkung der 
    Betriebsräte 
:: der 8-Stunden-Tag
:: die Sozialversicherung 
:: die Öffnung der staat-
    lichen Kunstakademien
    für Frauen 
:: die demokratische 
    Staatsform/Verfassung 
:: das gleiche Wahlrecht
:: das Frauenwahlrecht 
:: die föderalistische 
    Staatsstruktur
Bild unten:
Ohne Titel, 1918
frei nach liberté, égalité, fraternité
(Eugène Delacroix)

Hans Richter
(Privatbesitz)





Bild unten:
Revolution
Hans Richter
(Privatbesitz)



Bild oben:
Heinrich Kley
Original in den Beständen des Münchner Valentin-Musäums












  Bild oben:
 
Heinrich Kley
  Original in den Beständen
  des Münchner  
  Valentin-Musäums


Unvollständige Liste der Mitglieder des Aktionsausschusses revolutionärer Künstler 1918 München

Ado von Achenbach(Schauspieler)

Heinrich F.S. Bachmair (Schriftsteller, Verleger)

Max Bethke
(Rezitator)

Friedrich Burschell(Schriftsteller)

Wilhelm Ludwig Coellen(Kunsthistoriker)

Georg Kaiser (Dramatiker)

Walt Laurent
(Maler)

Otto Lerchenfeld (Anthroposoph)

Heinrich Mann(Schriftsteller)

Wilhelm Petersen (Komponist)

Theodor Caspar Pilartz
(Bildhauer, Bühnenbildner)

Hans Richter
(Maler, Filmemacher)

Fritz Schaefler (Maler)

Georg Schrimpf (Maler)

Felix Stiemer (Schriftsteller, Verleger)

Stanislaus Stückegold (Maler)

Titus Tautz (Publizist)

Eduard Trautner (Schriftsteller)

Aloys Wach
(Maler)

Alfred Wolfenstein(Schriftsteller)
  weltberühmt ...
... an der Revolution
    1918 in München
    beteiligt
... aber in München
    auch 100 Jahre nach der
    Revolution
    kaum beachtet:

    Germaine Krull und
    Josef Breitenbach










 Germaine
 Krull

 (gemalt von
 Andreas P.
 Schulz)










 Josef
 Breitenbach

 (ca. 1935,
 Fotograf
 unbekannt)





Die Fotografin Germain Krull war mit Kurt Eisner und dessen Frau Else Belli befreundet.
Sie nahm vor den Januarstreiks 1918 an den politischen  Sonntagsgesprächen im Haderner Haus von Belli/Eisner teil.
Krull portraitierte Kurt Eisner mehrmals.

Josef Breitenbach war mit seinen Schwestern ab 1914 in der Gruppe der Münchner Arbeiterjugend um Felix Fechenbach.
Er nahm jahrelang an den Bildungsveranstaltungen dieser Gruppe teil, bei denen er auch Kurt Eisner als Referent kennen lernte.
Er war ab 1918 Mitglied des Aktionsausschusses des provisorischen Arbeiter-, Soldaten- und Bauernrates.

Später wechselte Breitenbach zur Fotografie. Er wird in New York als Künstler und Fotograf hochgeschätzt.

Das Engagement der beiden Kunstschaffenden für Frieden während des Ersten Weltkriegs und für die Revolution 1918 ist in München kaum bekannt.
 
























Bild oben:
Heinrich Kley
Original in den Beständen des Münchner Valentin-Musäums
 


















       
          Bild oben:

          Heinrich Kley
          Original in den
          Beständen des
          Münchner
          Valentin-Musäums









  links:
  Xylografie
  pep aaurau





  Kurt Eisner
  Schriftsteller, Pazifist
  und Verfechter eines
  pazifistischen Sozialismus.

Als bisher einziger bayerischer Ministerpräsident hielt er im Parlament eine Rede zur Kunst und versuchte den Gegensatz zwischen Politik und Kunst zu überbrücken.
In seiner Person vereinte er beides und bemerkte:
 
"Ich bin mir darüber nicht im mindesten im Zweifel, ein deutscher Staatsmann, der im Verdacht steht, ein Gedicht machen zu
können, ist hinreichend verdächtig, von
Politik keine Ahnung zu haben.

Aber das ist ein deutsches Reservatrecht,
das daraus entstand, daß, ich glaube, seit
den Zeiten des seligen Humboldt überhaupt
in Deutschland keine Künstlernatur jemals
in der Regierung gewesen ist, . . . "

Und er hatte einiges zum Verhältnis des Staates zur Kunst zu sagen, was auch heutige Kulturpolitiker mit Gewinn lesen könnten:

"Die Kunst kann nur gedeihen in voll-
kommener Freiheit. ( ... ) Der Künstler muß
als Künstler Anarchist sein. . ."

"Er sollte zum Beispiel nicht die Notwendig-
keit haben, sich ewig zu wiederholen,
nur um auf den Markt Ware zu werfen."
 
"Was wir tun können, ist, die Kunst zu fördern dadurch, daß der Staat Freiheit läßt, und ich sehe auch nicht ein, warum nicht etwa der Staat auch Künstlern auf den verschiedensten Gebieten genauso durch wirtschaftliche Unterstützung die Freiheit ihrer Betätigung gibt wie anderen."

"Wir haben ja bisher die höchst eigentümliche Erscheinung, daß z. B. ein Literaturhistoriker, der an der Universität sitzt, ein reicher und wohlgeehrter Mann wird, und seine ganze Tätigkeit beruht auf der Ausschlachtung verhungerter Künstler."
 
Im Auftrag des bayerischen Kabinetts

und den jahrelang im Kreis Eisner diskutierten
"Ideen eines Staates nach der Wittelsbacher Herrschaft"

haben die Staatsrechtler
Robert Piloty (1863-1926) und
Josef von Graßmann (1864-1928)

die nebenstehende vorläufige  Verfassung ausgearbeitet,
die ab 4. Januar 1919 in Kraft gesetzt wurde.

Es war die erste demokratische Verfassung Deutschlands.




Bild oben:
Fritz Schaefler
portraitiert
Alois Wach
Holzschnitt
(Privatbesitz)
         
        Bild oben:
        Aloys Wach
        Armut 1919
        Holzschnitt
        (Privatbesitz)


Bild oben:
Heinrich Kley
Original in den Beständen des Münchner Valentin-Musäums
 

















       

         Bild oben:
        
Heinrich Kley
         Original in den
         Beständen des
         Münchner
         Valentin-Musäums

Die 100 Tage
der Regierung Eisner haben mehr Ideen,
mehr Freuden
der Vernunft und mehr Belebung der Geister gebracht
als die 50 Jahre vorher.

Heinrich Mann
Nach der Ermordung Kurt Eisners durch den rechtsextremistischen Leutnant Arco von Valley beginnen 68 zunächst orientierungslose, blutige Tage.
Es sind die Tage der 1. und 2. Räterepublik und der Niederschlagung der Revolution.

Um den 1. Mai 1919 haben Freikorps und Weisse Truppen die 2. Räterepublik niedergeschlagen.
Freikorps und Weiße Truppen führen eine bespiellose politische Säuberung
mit Mord und Totschlag durch. Erst als sie eine Gruppe von 21 Kolpinggesellen ermorden, wird dem gesetzlosen bestialischen Morden ein Ende gesetzt. 
 
1. und 2. Räterepublik

In den ersten Wochen nach Eisners Ermordung und dem Attentat auf Auer am 21.2.1919 ist Bayern durch ein Machtvakuum und vom Kampf zwischen Parlamentarismus und Rätesystem geprägt. 
Am 17. März wählt der Landtag Johannes Hoffmann, Kultusminister im Kabinett Eisner, zum neuen Ministerpräsidenten.
"Baiern ist Räterepublik" ... melden am 7. April 1919 Telegramme aus München an die bayerischen Städte und Gemeinden.

Dieser „Räterepublik“ fehlt allerdings die stabile Basis unter den Arbeitern in den Betrieben. Auch verfügt sie über keine Exekutive zur Durchsetzung ihrer  Proklamationen.
Bild oben:
Leonhard Eckertsperger
"Verlesung des Glückwunschtelegramms 
von LENIN an die Münchner Räte" (April 1919)
Privatbesitz (Gabi Duschl-Eckertsperger)



Die nach Bamberg geflohene SPD-Regierung Hoffmann und die Berliner Regierung nutzen das Chaos der sogenannten 1. Räterepublik (April 1919) für militärische Maßnahmen.
Die KPD organisiert erfolgreich die bewaffnete Niederschlagung der militärischen Intervention der Regierung Hoffmann. Die KPD übernimmt am 13./14. April 1919 die Macht.
Die 2. Räterepublik Bayern ist für 17 Tage gegründet. 
Bild oben:
Leonhard Eckertsperger
Aprildemonstration 1919
in der Königstraße
Privatbesitz (Gabi Duschl-Eckertsperger)

Leonhard Eckertsperger
1899 in München geboren. Optiker-Ausbildung, kriegsbedingte Dienstverpflichtung zum Flugzeugmotorenbau bei BMW. Von der Reichswehr zum Landsturm eingezogen. An TBC erkrankt. 
1921 Besuch der Malschule Hofmann in der Georgenstraße1928 Aufnahme in die Akademie der bildenden Künste bei Prof. Karl Caspar. Meisterschüler mit eigenem Atelier.
Bis 1941 vergebliche Versuche, gemeinsam mit seiner Lebensgefährtin Prisca Schluttenhofer aus Nazi-Deutschland zu fliehen.
1944 in München ausgebombt. Ein großer Teil der Exponate sind zerstört.
1945 Evakuierung nach Oberstdorf/Allgäu. Heirat, zwei Kinder.  Die Nachbarn: „Malen kann er ja scho, aber er ischt halt a Kommunist.“
1972 Rückkehr nach München
1981 „Schließt seinen Malkasten als seine Frau Ada stirbt.“ Eckertsberger stirbt 1991.

"Die deutsche Revolution von 1918
war eine sozialdemokratische Revolution,
die von den sozialdemokratischen Führern niedergeschlagen wurde: ein Vorgang,
der in der Weltgeschichte kaum seinesgleichen hat."

Sebastian Haffner
    





  


  



Gustav Noske (oben rechts) schickt auf Anforderung von Johannes Hoffmanns Reichswehrverbände aus Preußen und Württemberg nach München. Er gab den Befehl, die Räterepublik nieder zu schlagen.
Von den Revolutionären wurden sie als Weiße Garden bezeichnet.

Der massaker-erprobte Rechtsextremist Franz Ritter von Epp
(links oben) befehligte Freikorps.

Schätzungen zufolge werden von den Weißen Garden ca. 900 republikanisch Gesinnte hingerichtet/getötet.

Die Roten Garden setzen
14 Mitglieder der rechtsextremen Thule-Gesellschaft
im Luitpoldgymnasium fest und erschießen sie.

82 Weißgardisten kommen beim Angriff auf München ums Leben.

Erich Mühsam erinnert sich an Erschießungen von
spartakistischen Frauen im Gefängnis Stadelheim:

"Dort haben die weißen Pelotons zu wiederholten
Malen die ersten Schüsse auf die Geschlechtsteile
der Frauen und Mädchen gezielt, in anderen Fällen
die Exekution vollzogen,
indem sie zuerst in die Beine,
dann in den Unterleib schossen und sich an den Qualen
der langsam verendenden Opfer weideten".
"Ein furchtbares Denunzieren setzte ein. Kein Mensch war mehr sicher. Wer einen Feind hatte, konnte ihn mit etlichen Worten dem Tod überliefern."
Der Schriftsteller und Augenzeuge Oskar Maria Graf über die Tage nach der Niederschlagung der Räterepublik
Bild Mitte:
Heinrich Ehmsen
Erschießungskommando
1919
(Eremitage St. Petersburg)













Bild rechts:
Heinrich Ehmsen
Erschießung des Baron Teuchert
1919
(Lenbachgalerie München)







 



Oben:
linker Teil des Tripychons

Heinrich Ehmsen
Eremitage St. Petersburg
 








         Bild unten:
         Stillende mit Kind 1919
        
Georg Gerhard Schrimpf
         (Privatbesitz)


 
   Karl Roth
   im Alter
   von 24 Jahren










Karl Roth
trat mit 16 Jahren in die Kunstgewerbeschule München ein. Er besuchte die Bildhauerklasse von Professor Heinrich Wanderé.

Das Spezialgebiet "Medaille" studierte er dort bei Professor Maximilian Dasio.

1918 - in der letzten Phase des Ersten Weltkrieges - wurde er zum Militär eingezogen.
Noch bevor er zum Einsatz kam, wurde er mit einer schweren fiberhaften Erkrankung nach Hause geschickt.

Als Rekonvalkeszent sah er vom Fenster seiner elterlichen Wohnung die Revolution, die ihn schwer beeindruckte.

1919 bekam er Kontakt zu Minister Unterleitner, der an ihn den Auftrag der Staatsregierung für die Eisner-Gedenktafel erteilte.
 





























 

































































Karl Roth
schuf 1919/20 die abgebildeten Revolutionsmedaillen. Einige davon reichte er beim Kunstverein Frankfurt ein.

Mit der links abgebildeten Medaille erhielt er den 1. Preis des Kunstvereins.

1958 schuf er die offizielle Medaille der Landeshauptstadt München zur 800 Jahrfeier.
 
     
Die Idee
zu dieser Ausstellung
hatte Wolfram P. Kastner
           Material
           für diese Ausstellung sammelten
           Sepp Rauch und Wolfram Kastner
Realisiert wurde die Ausstellung
durch das ver.di Kulturforum Bayern
zum 100. Jubiläumsjahr der Revolution